1. Petrus Kapitel 4 Teil IV

    1. Petrus 4.17b-19

    So aber zuerst an uns, was will´ s für ein Ende werden mit denen, die dem Evangelium Gottes nicht glauben? Und so der Gerechte kaum erhalten wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen? Darum, welche da leiden nach Gottes Willen, die sollen ihm ihre Seelen befehlen, als dem treuen Schöpfer, in guten Werken.  

    Wenn die Gläubigen sehen, wie gut es die Bösen haben, kann es nicht ausbleiben, dass Eifersucht sie packt. Das ist eine sehr gefährliche Versuchung; denn jedermann liegt ein glückliches Leben in dieser Zeit am Herzen. Darum dringt der Geist Gottes an vielen Stellen, insbesondere im 37. Psalm, darauf, dass die Gläubigen nicht die Gottlosen wegen ihres Glücks beneiden sollen. Eben diesen Gedanken verhandelt jetzt Petrus: Kinder Gottes sollen ihre Trübsale mit gezügeltem Geist tragen, wenn sie ihr Geschick mit dem anderer vergleichen. Der Apostel setzt dabei als zugestanden voraus, dass Gott der Richter der Welt ist, dass also niemand ungestraft Seiner Hand entfliehen werde. Er zieht daraus den Schluss, dass eine schreckliche Rache derer wartet, deren Lage jetzt eine so viel bessere zu sein scheint. Alles zielt, wie ich schon sagte, darauf, dass die Kinder Gottes sich nicht durch die Bitterkeit gegenwärtiger Leiden stoßen und mutlos machen lassen sollen; vielmehr sollen sie die Trübsale, die zu einem heilsamen Ende führen werden, für eine kurze Zeit geduldig tragen. Die Gottlosen erkaufen ein flüchtiges und hinfälliges Glück mit ewigem Verderben. So schreitet die Schlussfolge vom Kleineren zum Größeren fort: Wenn Gott Seiner Kinder nicht schont, die Er liebt und die Ihm gehorchen, wie viel schrecklicher wird Seine Strenge gegen Feinde und Aufrührer sein! Nichts ist also besser, als dass man dem Evangelium gehorcht, damit Gott uns gnädig sei und mit väterlicher Hand zu unserem Heil züchtige.

    Und so der Gerechte kaum erhalten wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen? – Man nimmt an, dass dieser Satz aus Sprüche 11.31 stamme, wo in der griechischen Übersetzung in der hier gebotenen Form wiedergegeben wird, was im hebräischen Text lautet: „Wenn der Gerechte auf Erden geschlagen wird, wie viel mehr der Gottlose und Sünder!“ Mag nun aber Petrus diesen Spruch anführen, oder, was ich für wahrscheinlicher halte, ein geläufiges Sprichwort beibringen wollen, der Sinn ist in jedem Falle, dass ein schreckliches Gericht Gottes über die Gottlosen ergehen wird, wenn schon die Auserwählten einen so dornigen und schwierigen Weg zum Heil haben. Dies wird aber darum gesagt, damit wir nicht in sicherem Behagen dahinleben, sondern mit strengem Ernst unseren Lauf vollführen, weiter, damit wir nicht einen bequemen und weichen Weg begehren, dessen Ende ein schrecklicher Sturz sein wird. Übrigens muss man die Aussage, dass der Gerechte kaum gerettet wird, auf die Schwierigkeiten des gegenwärtigen Lebens beziehen. Denn unser Lauf in dieser Welt ist wie eine gefährliche Schifffahrt, die zwischen vielen Klippen hindurchführt und von vielen Stürmen und Unwettern bedroht wird. Wer zum Hafen gelangt, muss zuvor einem tausendfachen Tod entfliehen. Indessen ist es gewiss, dass Gottes Hand uns regiert und dass kein Schiffbruch uns droht, solange wir uns Seiner Leitung anvertrauen. Es war also eine törichte Auslegung, wenn man daran dachte, dass hier von der nur mit Mühen und Schwierigkeiten zu erreichenden Rettung in Gottes zukünftigem Gericht die Rede sei. Denn Petrus spricht nicht in der Form der Zukunft, sondern der Gegenwart; er prägt auch nicht Gottes Strenge ein, sondern weist darauf hin, wie viele und schwierige Gefahren ein Christenmensch überwinden muss, bis er zum Ziel gelangt. Ein „Sünder“ ist hier so viel wie ein Verbrecher, wie ja auch als „Gerechte“ nicht solche bezeichnet werden, deren Gerechtigkeit ganz vollkommen ist, sondern die sich um ein rechtschaffenes Leben bemühen.

    Darum, welche da leiden nach Gottes Willen, die sollen ihm ihre Seelen befehlen, als dem treuen Schöpfer, in guten Werken. – Der Apostel zieht den Schluss, dass man Verfolgungen mit Gleichmut tragen müsse, weil in ihnen die Frommen doch noch viel erfreulicher dastehen als die Ungläubigen, wenn sie alles erwünschte Glück genießen. Er ruft uns aber ins Gedächtnis zurück, dass wir nicht anders leiden als nach Gottes Willen, was viel zu unserem Trost beiträgt. Dass wir dem Herrn unsere Seelen befehlen sollen, will besagen, dass wir uns und unser Leben Seiner treuen Obhut anvertrauen dürfen. Dabei heißt Gott der treue Schöpfer. Noch besser ließe sich vielleicht übersetzen: Der „treue Besitzer“, der, was Er zum Eigentum erwarb, treulich hütet und schützt. Der Apostel fügt hinzu, dass wir uns dem Herrn anvertrauen sollen in guten Werken: Die Gläubigen dürfen also ihnen angetanes Unrecht nicht heimzahlen, sondern haben mit ihren gottlosen Beleidigern vielmehr durch Gutes tun zu ringen.

     

    Wir benutzen Cookies

    Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.