1. Petrus 5.8-11
Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, gehet umher wie ein brüllender Löwe und suchet, welchen er verschlinge. Dem widerstehet, fest im Glauben, und wisset, dass eben dieselbigen Leiden über eure Brüder in der Welt sich vollenden. Der Gott aber aller Gnade, der uns berufen hat zu seiner Herrlichkeit in Christus Jesus, derselbige möge euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, vollbereiten, stärken, kräftigen, gründen. Demselbigen sei Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.
Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, gehet umher wie ein brüllender Löwe und suchet, welchen er verschlinge. – Diese Mahnung greift weiter: Weil die Gläubigen im Kampf mit einem überaus scharfen und mächtigen Feind stehen, müssen sie zum Widerstand gerüstet sein. Dies wird in einem doppelten Bilde ausgedrückt: Seid nüchtern und wachet. Schlemmerei macht träge und schläfrig; desgleichen verfallen Leute, die sich durch irdische Sorgen oder Vergnügungen berauschen, in geistlichen Schlaf oder Gedankenlosigkeit. Jetzt verstehen wir, was der Apostel meint: Es ist uns in dieser Welt ein Kriegsdienst verordnet, und wir haben es mit einem Feinde zu tun, den wir nicht verachten dürfen, der wie ein Löwe hierhin und dorthin springt, damit er uns verschlinge. So ergibt sich der Schluss, dass man ernstlich wachen müsse. Mit demselben Beweisgrund schärft Paulus unsern Eifer, wenn er sagt (Epheser 6.12), dass wir nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen haben, sondern mit der Nichtswürdigkeit böser Geister. Den Frieden missbrauchen wir ja meistens zu müßigem Treiben; so geschieht es, dass der Feind uns allmählich umgarnt und erdrückt, weil wir uns außer Gefahr wähnten und in den Lüsten des Fleisches gehen ließen. Der Vergleich des Teufels mit einem Löwen will ihn als ein überaus reißendes Wesen darstellen. Dass er umhergehet, uns zu verschlingen, soll uns zu eifriger Wachsamkeit treiben. Weiter heißt der Teufel der Widersacher der Frommen: denn diese sollen wissen, dass ihr Gottesdienst und gläubiges Bekenntnis zu Christus sie verpflichtet, mit dem Teufel einen beständigen Krieg zu führen. Denn er, der wider das Haupt ankämpft, wird die Glieder nicht verschonen.
Dem widerstehet. – Dass der Feind so mächtig ist, soll uns auf der einen Seite scharf und besorgt machen; anderseits wäre doch Gefahr, dass ein unmäßiger Schrecken uns den Mut nehmen könnte, wenn uns nicht Hoffnung auf Sieg geboten würde. Der Apostel will uns also wissen lassen, dass der Krieg einen glücklichen Ausgang nehmen muss, wenn wir unter Christi Fahnen streiten. Denn wer in der Rüstung des Glaubens in den Kampf zieht, wird sicherlich den Sieg gewinnen. Der Apostel sagt: Widerstehet! Fragt jemand: Womit? – So lautet die Antwort; dass der Glaube Stärke genug hat: Fest im Glauben. Paulus aber zählt an der eben zitierten Stelle (Epheser 6.13) die einzelnen Stücke der Waffenrüstung auf. Dies alles will das gleiche besagen wie das Zeugnis des Johannes (1. Johannes 5.4): „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“
Und wisset, dass eben dieselbigen Leiden über eure Brüder in der Welt sich vollenden. – Auch dies dient zum Trost, dass wir in dem gleichen Kampf stehen wie alle Kinder Gottes. Denn Satan bereitet uns eine besonders gefährliche Versuchung, wenn er uns von dem Leibe Christi trennt. Darum erinnert uns der Apostel, dass nichts uns trifft, was wir nicht auch an den andern Gliedern der Gottesgemeinde sehen. Und wir dürfen uns durchaus nicht weigern, in der Gemeinschaft mit allen Heiligen zu stehen und in der gleichen Lage wie sie. Dass die Leiden sich vollenden, bedeutet etwa so viel wie das Wort des Paulus (Kolosser 1.24), dass täglich an den Gläubigen vollendet werde, was an den Trübsalen Christi noch fehlt. Dass die Brüder in der Welt sind, kann doppelt verstanden werden. Entweder ist die Meinung, dass Gott Seine Gläubigen unterschiedslos übt, wo immer sie sich unter den Völkern der Welt befinden. Oder es soll gesagt werden, dass die Notwendigkeit des Kriegsdienstes unser wartet, solange wir in dieser Welt leben. Auch darauf wollen wir hinweisen, dass die Anläufe des Satans, von denen die Rede war, jegliche Art von Trübsalen umfassen. Wir schließen daraus, dass wir es immer mit einem dämonischen Feinde zu tun haben, woher auch die Widrigkeiten kommen mögen: Mag uns Krankheit drücken, mag infolge Unfruchtbarkeit der Äcker Hungersnot drohen oder mögen Menschen uns lästig fallen.
Der Gott aber aller Gnade. – Nachdem der Apostel hinreichend Mahnungen gegeben, wendet er sich jetzt zum Gebet. Denn eine bloße Belehrung würde fruchtlos in der Luft verfliegen, wenn nicht Gott durch Seinen Geist wirkte. So müssen alle Diener Gottes diesem Beispiel folgen, damit der Herr selbst ihren Mühen Erfolg schenke – denn anders schaffen sie weder mit Pflanzen noch mit Begießen etwas. Statt der Wunschform: Gott möge euch vollbereiten gibt es auch eine andere Lesart: Er wird euch vollbereiten. In jedem Falle bedeutet auch das Gebet des Apostels, welches ich lieber hier finden möchte, eine Stärkung für seine Leser. Denn wenn er den Herrn den Gott aller Gnade nennt und hinzufügt: Der uns berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit, so zielt er ohne Zweifel darauf, mit voller Sicherheit einzuprägen, dass Gott Sein angefangenes Heilswirken zur Vollendung führen wird. Ausdrücklich spricht er aber von „aller“ Gnade. Er will dadurch die Leser anleiten, alles Gute, was sie haben, auf Rechnung Gottes zu setzen. Weiter sollen wir erwarten, dass immer eine Gnadengabe sich an die andere schließe, so dass wir, was uns jetzt noch fehlt, von der Zukunft erhoffen.
Der uns berufen hat zu seiner Herrlichkeit in Christus Jesus, derselbige möge euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, vollbereiten, stärken, kräftigen, gründen. – Wie ich schon sagte, will dieser Zusatz unser Vertrauen stärken. Denn nicht bloß Seine Güte, sondern auch Seine bereits geschenkten Wohltaten treiben den Herrn, uns mehr und mehr zu helfen. Es ist auch nicht einfach von unserer Berufung die Rede, sondern von der ewigen Herrlichkeit als ihrem Ziel. Außerdem wird uns der feste Grund der Berufung in Christus Jesus gezeigt. Beides soll unsere Zuversicht auf einen dauerhaften Bestand stärken. Denn wenn unsere Berufung in Christus begründet ist und auf das himmlische Gottesreich und die selige Unsterblichkeit zielt, kann sie nicht schwankend und hinfällig sein. Wenn wir in Christus berufen sind, ist unsere Berufung auf guten Grund gebaut; und zum andern sollen wir daraus abnehmen, dass jede Rücksicht auf eigene Würdigkeit und Verdienst ausgeschlossen ist. Denn schon dies ist ein unverdientes Geschenk, dass Gott uns durch die Predigt des Evangeliums zu sich einlädt; größere Gnade aber ist es noch, wenn Er unsere Herzen wirksam beeinflusst, so dass wir Seiner Stimme gehorchen. Petrus redet ja insbesondere zu Gläubigen: Darum denkt er mit der äußeren Predigt die innere Geisteswirkung verbunden. Dass er aber mit vielen Worten eine und dieselbe Sache beschreibt, Gott möge euch vollbereiten, stärken, kräftigen, gründen, soll uns erinnern, wie schwierig die Vollendung unseres Laufes ist, und dass es darum einer besonderen Gottesgnade bedarf. Ein Zwischensatz deutet darauf hin, dass die Dauer der Anfechtung kurz sein wird: Die ihr eine kleine Zeit leidet. Auch dies ist ein kräftiger Trostgrund.
Demselbigen sei Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. – Statt dieser Wunschform ließe sich auch übersetzen: Demselbigen gebührt Ehre. Jedenfalls soll es den Frommen die Zuversicht stärken, wenn der Apostel jetzt in einen Lobpreis Gottes ausbricht.