1. Petrus Kapitel 5 Teil IV

    1. Petrus 5.12-14

    Durch euren treuen Bruder Silvanus (als ich achte) habe ich euch ein wenig geschrieben, zu ermahnen und zu bezeugen, dass das die rechte Gnade Gottes ist, darinnen ihr stehet. Es grüßen euch, die samt euch auserwählet sind zu Babylon, und mein Sohn Markus. Grüßet euch untereinander mit dem Kuss der Liebe. Friede sei mit allen, die in Christus Jesus sind! Amen.  

    Durch euren treuen Bruder Silvanus (als ich achte) habe ich euch ein wenig geschrieben. – Dieser Schluss des Briefes ermahnt die Leser zur Standhaftigkeit. Ja, der Apostel erklärt geradezu, es sei seine Absicht gewesen, sie im Gehorsam gegen die Lehre, die sie angenommen hatten, festzuhalten. Dabei empfiehlt er seinen Brief mit seiner Kürze: Das Lesen soll ihnen nicht allzu schwer fallen. Sodann fügt er eine kurze Empfehlung des Überbringers hinzu, damit auch das lebendige Wort sich zur schriftlichen Aussprache geselle. Denn eben darauf zielt das Zeugnis der Treue, welches dem Silvanus gegeben wird. Wenn der Apostel hinzufügt: Als ich achte, so geschieht dies entweder, weil er bescheiden reden oder die Leser gewiss machen will, dass er nur das sagt, wovon er wirklich überzeugt ist. Es wäre aber ungereimt, wenn sie selbst dem Urteil eines so bedeutenden Apostels nicht zustimmen wollten.

    Zu ermahnen und zu bezeugen, dass das die rechte Gnade Gottes ist, darinnen ihr stehet. – Wie schwierig es ist, in dem angenommenen Glauben zu verharren, sieht man daraus, dass täglich viele abfallen. Bei dem Leichtsinn und der Unbeständigkeit der Menschen, ja bei ihrer übergroßen Neigung zu eitlem Wesen darf man sich darüber nicht wundern. Weil nun aber keine Lehre feste und beständige Wurzeln in den Menschenherzen schlagen kann, die noch mit irgendeinem Zweifel behaftet ist, bezeugt es der Apostel, dass es die gewisse Wahrheit Gottes ist, in welcher die Leser unterwiesen wurden. Wenn uns dies nicht im tiefsten Herzensgrunde feststeht, müssen wir freilich immer wieder von neuem schwanken und uns jedem Windhauch einer neuen Lehre beugen. Unter der Gnade Gottes ist der Glaube mit seinen Wirkungen und Früchten zu verstehen.

    Viele alte Ausleger deuteten Babylon allegorisch auf Rom. Diese Einbildung lassen sich die Papisten gern gefallen, damit Petrus als Vorsteher der römischen Kirche gelten könne. Die Schmach, die an diesem Namen haftet, schreckt sie nicht, wenn sie nur den Ehrentitel eines apostolischen Sitzes vorwenden können. Es liegt ihnen ja auch nicht viel an Christus, wenn ihnen nur Petrus bleibt. Ja, wenn sie nur den Namen des Stuhles Petri behalten können, haben sie nichts dagegen, dass sich ihr Rom in der tiefsten Hölle ansiedelt. Aber jene alte Einbildung ist grundlos. Und was vollends Eusebius und Hieronymus von einem fünfundzwanzigjährigen Aufenthalt des Petrus in Rom zu sagen wissen, widerlegt ein einfacher Blick auf die beiden ersten Kapitel des Galaterbriefs. Dass Petrus, als er seinen Brief schrieb, in Babylon sich befand, ist auch darum wahrscheinlicher, weil er damals den Markus als Begleiter bei sich hatte. Es stimmt dies auch besser mit seinem Beruf: Wir wissen ja, dass er insbesondere als Apostel für die Juden bestimmt war; so bereiste er vornehmlich solche Gegenden, in denen größere Scharen dieses Volkes wohnten. Wenn er nun von den Brüdern dort sagt: Die samt euch auserwählet sind, so will er damit die anderen zu einer stets wachsenden Befestigung ihres Glaubens anhalten. Denn es war eine große Sache, dass Juden aus so weit voneinander entfernten Weltgegenden zu einer auserwählten Gottesgemeinde zusammenwuchsen.

    Mein Sohn. – Diesen Ehrentitel gibt der Apostel dem Markus, weil er ihm das Leben des Glaubens geschenkt hatte, gleichwie Paulus dem Timotheus. Der Kuss der Liebe soll als ein äußeres Zeichen der inneren Herzensgemeinschaft entsprechen.

     

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