1. Petrus Kapitel 2 Teil VII

1. Petrus 2.18-20

Ihr Knechte, seid untertan mit aller Furcht den Herren, nicht allein den gütigen und gelinden, sondern auch den wunderlichen. Denn das ist Gnade, so jemand um des Gewissens willen zu Gott das Übel verträgt und leidet das Unrecht. Denn was ist das für ein Ruhm, so ihr um Missetat willen Streiche leidet? Aber wenn ihr um Wohltat willen leidet und erduldet, das ist Gnade bei Gott. 

Ihr Knechte, seid untertan mit aller Furcht den Herren. – Auch diese besondere Mahnung hängt, wie alle folgenden, mit dem vorangestellten Hauptsatz zusammen. Denn dass die Knechte ihre Herren, die Weiber ihren Männern gehorchen sollen, dient alles zur Erhaltung menschlicher Ordnung. Die Knechte sollen untertan sein mit aller Furcht. Damit wird eine reine und freiwillige Stimmung der Ehrfurcht gefordert, in welcher sie innerlich anerkennen, was sie zu tun schuldig sind. Diese Furcht steht also im Gegensatz einerseits zur Heuchelei, anderseits zu gewaltsamem Zwang. Denn der „Dienst vor Augen“, wie Paulus (Kolosser 3.22) sich ausdrückt, ist das Widerspiel der Ehrfurcht. Und wenn auf der anderen Seite die Knechte wider ihre erzwungene Leistung murren, bereit, das Joch abzuschütteln, wenn sie nur dürften, so kann auch nicht von Ehrfurcht die Rede sein. Alles in allem: Die rechte Furcht wird aus der Erkenntnis der Pflicht geboren. Eine Einschränkung, die hier allerdings nicht ausdrücklich steht, muss man aus anderen Stellen ergänzen. Die Unterwerfung nämlich, welche wir Menschen schulden, reicht niemals so weit, dass sie Gottes Oberherrschaft schmälern dürfte. Darum sollen die Knechte den Herren unterworfen sein, aber in Gott, oder wie man zu sagen pflegt, bis zur Grenze des Altars. Übrigens umfasst der griechische Ausdruck an dieser Stelle nicht nur die Sklaven, sondern auch die freie Dienerschaft.

Nicht allein den gütigen und gelinden, sondern auch den wunderlichen. – Nur soweit müssen Sklaven den Herren gehorchen, dass sie nichts gegen das Gewissen tun. Werden sie aber unrecht behandelt, was ihre eigene Person angeht, so dürfen sie den Gehorsam nicht verweigern. Mögen die Herren sein, wie sie wollen, die Knechte haben keine Entschuldigung, wenn sie ihnen nicht treuen Gehorsam leisten. Denn wenn ein Vorgesetzter seine Macht missbraucht, wird er zwar einst vor Gott Rechenschaft geben müssen, verliert aber in der Gegenwart sein Recht nicht. Die Sklaven unterliegen nun einmal der Ordnung, dass sie auch unwürdigen Herren dienen müssen. Die wunderlichen oder „verdrehten“ Herren stehen im Gegensatz zu den gütigen und freundlichen. Gemeint sind grausame und unerträgliche Menschen, die nicht Freundlichkeit noch Milde beweisen.

Denn das ist Gnade, man könnte auch sagen: ein Lob. Der Apostel will sagen, dass wir uns vor Gott keine Gnade noch Lob erwerben, wenn wir eine Strafe aushalten, die wir mit unseren Sünden verdient haben. Vielmehr sind nur solche Leute lobenswert und tun ein Gott wohlgefälliges Werk, die geduldig Unrecht ertragen. Es war in jener Zeit sehr nötig, auszusprechen, dass ein Mensch vor Gott in Gnaden steht, wenn er in Rücksicht auf Gott um seines guten Gewissens willen in seiner Pflicht verharrt, selbst wenn die Menschen ihn ungerecht und unwürdig behandeln. Denn die Lage der Sklaven war eine überaus harte: Man ging beleidigend mit ihnen um, wie mit einem Stück Vieh. Solch unwürdige Behandlung konnte sie zur Verzweiflung treiben; es blieb ihnen nur das eine übrig, auf Gott zu schauen. Dies nämlich bedeutet der Ausdruck: Um des Gewissens willen zu Gott, dass jemand nicht in Rücksicht auf Menschen, sondern auf Gott seine Pflicht tut. Denn wenn ein Weib nachgiebig und ihrem Mann gehorsam ist, um sich ihm zu empfehlen, hat sie ihren Lohn in der Welt, wie Christus dies von den ehrgeizigen Leuten sagt, die auf Menschengunst schauen (Matthäus 6.16). Das gleiche gilt von jeder anderen Lage. Wenn ein Sohn dem Vater gehorcht, um ihn wohlwollend und günstig zu stimmen, wird er seinen Lohn vom Vater haben, nicht von Gott. Der Hauptgedanke ist also, dass dem Herrn unsere Dienstleistungen angenehm sind, wenn uns dabei der Zweck vorschwebt, Ihm zu dienen, und wir uns nicht lediglich durch Rücksicht auf Menschen treiben lassen. Wer aber bedenkt, dass er es mit Gott zu tun hat, muss notwendig dahin streben, das Böse mit Gutem zu überwinden. Denn nicht bloß dies fordert Gott von uns, dass wir uns gegen einen jeglichen wiederum so halten, wie Er sich uns gegenüberstellte; wir sollen auch denen Gutes tun, die es nicht wert sind und die uns verfolgen. Schwierig bleibt aber noch immer die Aussage, dass derjenige kein Lob gewinnen soll, der eine gerechte Strafe geduldig trägt. Denn wenn auch der Herr unsere Sünden straft, ist Ihm doch ohne Zweifel die Geduld, mit der wir uns unter Seine Strafe ruhigen Gemüts beugen, ein wohlriechendes Opfer. Aber Petrus redet hier nur vergleichsweise; es bedeutet ein geringeres und schwaches Lob, wenn jemand eine gerechte Strafe gleichmütig annimmt, als wenn ein Unschuldiger, lediglich weil er Gott fürchtet, sich nicht weigert, Beleidigungen der Menschen zu tragen.

 

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