1. Petrus 3.1-4
Desselbigengleichen sollen die Weiber ihren Männer untertan sein, auf dass auch die, so nicht glauben an das Wort, durch der Weiber Wandel ohne Wort gewonnen werden, wenn sie ansehen euren keuschen Wandel in der Furcht. Ihr Schmuck soll nicht auswendig sein mit Haarflechten und Goldumhängen oder Kleideranlegen, sondern der verborgene Mensch des Herzens mit dem unvergänglichen Wesen des sanften und stillen Geistes; das ist köstlich vor Gott.
Jetzt wird ein anderes Stück der Unterwerfung unter menschliche Ordnung besprochen. Es sollen die Weiber ihren Männern untertan sein. Und weil es für sie ein besonders einleuchtender Vorwand zur Abschüttelung des Jochs zu sein schien, wenn sie an ungläubige Männer gebunden waren, werden sie gerade in dieser Richtung an ihre Pflicht erinnert. Der Apostel erklärt es als besonders veranlasst, dass sie umso eifriger sich unterwerfen: Sie sollen nämlich mit ihrem rechtschaffenen Wandel ihre Männer zum Glauben locken. Wenn nun die Weiber schon unfrommen Männern Gehorsam schulden, so müssen sie noch viel williger zum Gehorsam sein, wenn sie gläubige Männer haben. Ungereimt scheint es aber, was Petrus ausspricht, dass die Männer sollten ohne Wort gewonnen werden können. Wo bleibt da jenes Wort (Römer 10.17): „Der Glaube kommt aus der Predigt“? Petri Worte wollen aber gewiss nicht so verstanden werden, als vermöchte ein heiliges Leben rein für sich Ungläubige zu Christus zu führen; indessen macht es ihre Seelen weicher und lenkt sie in eine Richtung, die nicht mehr gar zu feindselige Empfindungen gegen die Frömmigkeit hegt. Wie böse Beispiele zum Anstoß dienen, so bringen gute eine nicht geringe Hilfe. Petrus meint also: Die Weiber können durch einen heiligen und ehrbaren Wandel auch schweigend dahin wirken, dass sie ihre Männer zum Ergreifen des Glaubens an Christus vorbereiten.
Wenn sie ansehen euren keuschen Wandel in der Furcht. – Es werden nämlich dem rechten Glauben auch noch so fremd gegenüberstehende Gemüter gebrochen, wenn sie die so wohl geordneten Sitten der Gläubigen sehen. Leute, die von Christi Lehre nichts verstehen, bemessen dieselbe nach unserm Leben. So kann es nicht ausbleiben, dass sie den christlichen Glauben loben müssen, der uns zu einem reinen Wandel in der Furcht anleitet.
Ihr Schmuck soll nicht auswendig sein mit Haarflechten und Goldumhängen oder Kleideranlegen. – Ein zweites Stück der Ermahnung: Die Frauen sollen sich mit Maß und Bescheidenheit schmücken. Sie sind ja bekanntlich in diesem Stück eifriger und begieriger, als sich ziemt; darum bestrebt Petrus sich mit gutem Grunde, dies eitle Wesen an ihnen zu bessern. Gewiss will er nun übermäßig kostbaren Schmuck im Allgemeinen tadeln; er zählt aber davon besondere Beispiele auf: Die Frauen sollen nicht das Haar künstlich kräuseln und drehen, wozu sie sich eines Brenneisens zu bedienen pflegten, noch dasselbe in Schnörkeln legen. Zum andern sollen sie ihr Haupt nicht mit Gold schmücken; dies nämlich waren die Hauptstücke eines luxuriösen Auftretens. Nun fragt sich, ob der Apostel kurzweg die Anwendung von Gold zum Schmuck des Körpers verwerfen will. Presst jemand die Worte, so erscheinen ganz ebenso wie das Gold auch kostbare Kleider verboten. Denn unmittelbar darauf spricht der Apostel vom Kleideranlegen. Und doch wäre es eine übertriebene Strenge, Schmuck und Eleganz in der Kleidung kurzweg zu verbieten. Sagt man, dass der Stoff zu kostbar zu sei, so hat ihn doch der Herr geschaffen. Wir wissen auch, dass die Künste von Ihm stammen. Petrus wolle also nicht jede Schönheitspflege tadeln, sondern das Laster der Eitelkeit, an welchem die Weiber kranken. Auf zweierlei gilt es in der Kleidung zu achten, auf Bequemlichkeit und Anstand. Zum Anstand aber gehört Maßhalten und Bescheidenheit. Wenn also ein Weib mit üppigem Haarschmuck und Gewand einhergeht, wenn sie Überfluss und Prunk zur Schau trägt, kann ihre Eitelkeit nicht entschuldigt werden. Der Einwand, dass es eine gleichgültige und freigelassene Sache sei, sich so oder anders zu kleiden, lässt sich leicht widerlegen. Denn übertriebene Eleganz und überflüssige Pracht, wie überhaupt jedes Übermaß, entspringt aus einem inneren Fehler. Zudem sind Anmaßung, Stolz, prunkendes Gebaren und anderes dergleichen nicht gleichgültige Dinge. Ein Gemüt, das von Eitelkeit gereinigt ist, wird allem den richtigen Zügel anlegen und das Maß nicht überschreiten.
Sondern der verborgene Mensch des Herzens. – Auf diesen Gegensatz wollen wir fleißig achten. Cato [Marcus Portius Cato der Ältere lebte im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr.; er war bestrebt, die schlichte und strenge Art der alten Römer gegenüber moderner Verweichlichung zu erhalten.] pflegte zu sagen: Wer allzu eifrig sich mit der Pflege des Körpers beschäftigt, vernachlässigt die Pflege der Seele. So gibt auch Petrus, indem er das Begehren der Frauen zügeln will, ihnen das Heilmittel in die Hand, dass sie vielmehr allen Eifer auf die Ausbildung der Seele verwenden sollen. Denn unter dem Herzen versteht er ohne Zweifel das gesamte Seelenleben. Zugleich zeigt er, worin der innere Schmuck der Frauen besteht: In dem unvergänglichen Wesen des sanften und stillen Geistes. Dies Wesen scheint mir im Gegensatz zu stehen gegen die vergänglichen und nichtigen Dinge, die zum Schmuck des Körpers dienen. Alles in allem will Petrus sagen, dass der Schmuck der Seele nicht einer verwelkenden Blume gleicht, noch in vergänglichem Glanz besteht, sondern unvergänglich ist. Ein sanfter und stiller Geist wird als eine besondere Tugend der Frauen genannt: Er ist ein hervorragender Schmuck dieses Geschlechts. Denn wir wissen, welch unerträgliches Geschöpf ein herrisches und einrissiges Weib ist. Endlich ist nichts geeigneter, das eitle Wesen, von welchem Petrus spricht, zu bessern, als eine sanfte Ruhe des Geistes. Statt „das ist köstlich vor Gott“ lässt sich auch übersetzen: Welcher (nämlich der Geist) köstlich ist vor Gott. Der Sinn bleibt doch derselbe. Der Hauptgrund, weshalb die Weiber so übermäßig auf ihren Schmuck bedacht sind, ist, dass sie die Augen der Menschen auf sich ziehen wollen. Petrus dagegen empfiehlt ihnen, vielmehr dafür zu sorgen, dass sie vor Gott einen Wert haben.