1. Petrus 3.7
Desselbigengleichen, ihr Männer, wohnet bei ihnen mit Vernunft, und gebet dem weiblichen als dem schwächeren Werkzeuge seine Ehre, als die auch Miterben sind der Gnade des Lebens, auf dass eure Gebete nicht verhindert werden.
Desselbigengleichen, ihr Männer, wohnet bei ihnen mit Vernunft. – Den Männern mutet der Apostel Vernunft zu. Denn ihre Herrschaft über die Weiber ist an das Gesetz gebunden, dass sie dieselbigen vernünftig leiten. Ehemänner sollen also daran denken, dass sie zur Erfüllung ihrer Pflicht Vernunft nötig haben. Sicherlich müssen sie viele Torheiten tragen, vielen Verdruss hinabschlucken und sich doch zugleich hüten, dass sie nicht durch ihre Nachgiebigkeit das törichte Wesen noch fördern. Darum ist die Mahnung des Petrus nicht überflüssig: „wohnt bei ihnen mit Vernunft.“
Als dem schwächeren Werkzeuge seine Ehre. – Als ein Stück der Weisheit, von welcher der Apostel spricht, hebt er auch dies heraus, dass Männer den Frauen ihre Ehre geben sollen. Denn nichts stört die Gemeinschaft des Lebens in höherem Maße als Verachtung. Nur wen wir schätzen, können wir in Wahrheit lieben. So muss die Liebe mit Ehrerbietung verbunden sein. Im Übrigen bedient sich der Apostel eines doppelten Beweisgrundes, um die Männer zu überreden, dass sie ihre Frauen ehrerbietig und freundlich zu behandeln haben. Einmal weist er auf die Schwachheit ihres Geschlechtes hin, zum andern auf die Ehre, deren Gott sie würdigt. Freilich scheint dies beides sich auszuschließen, dass man den Frauen ihre Ehre geben soll, weil sie so schwach sind, und dann wieder, weil sie so hochstehen. Wo aber Liebe waltet, vereinigt sich beides trefflich. Es ist unwidersprechlich, dass man den Herrn in Seinen Gaben verachtet, wenn man nicht denen Ehre erweist, denen Er irgendwelche Vorzüge verliehen hat. Und wenn wir bedenken, dass wir Glieder eines Leibes sind, so lernen wir uns tragen und unsere Schwachheiten gegenseitig mit Vergebung decken. Das meint Paulus, wenn er sagt (1. Korinther 12.23), dass wir den schwächeren Gliedern die meiste Ehre zuwenden: Wir sind besonders darauf bedacht, zuzudecken, dessen sie sich zu schämen haben. Es hat also guten Grund, wenn Petrus uns ans Herz legt, die Frauen darum fürsorglich zu behandeln und durch Schonung zu ehren, weil sie schwach sind. Jungen Kindern verzeihen wir leicht, wenn sie in jugendlicher Unerfahrenheit etwas versehen. So darf auch ein Mann um der Schwachheit ihres Geschlechts willen nicht zu streng und hart gegen seine Gattin sein.
Als die auch Miterben sind der Gnade. – Die verschiedenen Lesarten schwanken, ob die Männer oder die Weiber als Miterben des Lebens bezeichnet werden sollen, oder ob von einer „vielgestaltigen“ Gnade die Rede ist. Für den Sinn macht dies keinen großen Unterschied. Denn da Gott Männer und Weiber zusammen der gleichen Gnadengaben würdigt, ladet er sie ein, untereinander Gleichheit zu pflegen. Außerdem wissen wir, dass wirklich in vielerlei Gnadengaben die Weiber mit den Männern verbunden sind; teils zielen dieselben auf den Gebrauch des gewöhnlichen Lebens, teils auf Gottes himmlisches Reich. Die Hauptsache aber ist, dass auch die Frauen Miterben des Lebens sind. Denn wenn auch manche unter ihnen sich der Hoffnung auf ewiges Heil verschließen, so genügt es doch zur Ehrung ihres Geschlechts, dass der Herr nicht weniger ihnen dasselbe anbietet als den Männern.
Auf dass eure Gebete nicht verhindert werden. – Denn man kann Gott nur anrufen, wenn man ein stilles und gesammeltes Gemüt hat. Unter Schelten und Streit findet das Gebet keinen Raum. Gewiss wendet sich nun Petrus an die Ehegatten und legt ihnen die Eintracht ans Herz, damit sie in einem Geiste gemeinsam zu Gott beten sollen. Doch lässt sich daraus die allgemeine Lehre entnehmen, dass niemand dem Herrn nahen kann, der nicht mit seinen Brüdern freundlich verbunden ist. Dies muss ein Grund sein, häusliches Streiten und Schelten zu unterdrücken, damit in jeder Familie Gott angerufen werde. Ebenso muss diese Erkenntnis als Zügel dienen, im öffentlichen Leben alle Streitereien zu bändigen. Wir wären wahnsinnig, wollten wir uns den Weg zur Anrufung Gottes mit Wissen und Wollen verschließen; damit würden wir ja die einzige rettende Zuflucht verlieren. Einige Ausleger verstehen den Satz des Petrus dahin, dass der eheliche Verkehr sich in bescheidenen Schranken halten solle, damit eine allzu häufige Ausübung nicht den Ernst des Gebets hindere. So sagt auch Paulus (1. Korinther 7.5): „Entziehe sich nicht eins dem andern, es sei denn aus beider Bewilligung eine Zeitlang, dass ihr zum Fasten und Beten Muße habt.“ Der Gedanke des Petrus aber ist umfassender, und auch Paulus meint doch nicht, dass durch die Beiwohnung das Gebet unmöglich werde. So bleibe ich bei der vorgetragenen Auffassung.