1. Petrus Kapitel 3 Teil IV

1. Petrus 3.8-9

Endlich aber seid allesamt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig. Vergeltet nichts Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern dagegen segnet, und wisset, dass ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen erbt. 
 

Endlich aber seid allesamt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig. – Es folgen allgemeine Mahnungen, die unterschiedslos jeden betreffen. Zunächst bezeichnet der Apostel summarisch einige Stücke, die besonders nötig sind, um Freundschaft und Liebe zu pflegen. Zuerst sollen wir gleich gesinnt sein. Gewiss dürfen Freunde auch verschiedene Meinungen hegen; dieselben werden aber leicht zu einem kleinen Nebel, der die Liebe verdunkelt; ja aus diesem Samen kann Hass geboren werden. Als mitleidig in unserer ganzen Stimmung erweisen wir uns, wenn unter uns eine Eintracht waltet, in welcher ein jeder das Leid des Nächsten wie sein eigenes fühlt und an seinem Glück sich miterfreut, in welcher man nicht bloß an sich selbst denkt, sondern auch die andern umfasst. Brüderlich soll insbesondere das gegenseitige Verhalten der Gläubigen sein. Denn erst da regiert wahre Brüderlichkeit, wo man gemeinsam Gott als den Vater kennt. Weiter sollen wir barmherzig sein, also uns getrieben fühlen, nicht bloß den Brüdern zu helfen und ihren Jammer zu lindern, sondern auch ihre Schwachheiten zu tragen. Bezüglich des folgenden Wortes schwankt die griechische Lesart. Statt „freundlich“ habe ich zu setzen vorgezogen „demütig“. Denn das beste Band der Freundschaft besteht darin, dass ein jeder mäßig und bescheiden denkt. Nichts gebiert mehr Zerwürfnisse als allzu große Selbstgefälligkeit. Klüglich fordert also Petrus von uns Demut, damit nicht Stolz und Hochmut uns zur Verachtung des Nächsten verführen.

Vergeltet nichts Böses mit Bösem. – Diese Worte verwehren jegliche Rache. Denn wenn die Liebe erhalten bleiben soll, muss man vieles tragen. Immerhin ist hier nicht von gegenseitigem Wohlwollen die Rede. Vielmehr leitet der Apostel uns an, Unrecht zu dulden, wo gottlose Menschen uns reizen. Allerdings betrachtet man es insgemein als die Art eines kleinen und niedrigen Geistes, Unrecht ungestraft hingehen zu lassen; und doch gilt dies, wie wir schon früher sagten, vor Gott als die erhabenste Hochherzigkeit. Es genügt aber nicht, sich der Rache zu enthalten, sondern Petrus fordert auch, dass wir für diejenigen Gutes erbitten, die uns Schmach antun. „Segnet“ will nämlich hier etwa besagen: Bittet um Segen für sie. Dies ergibt sich aus der gegensätzlichen Fortführung: Dass ihr den Segen erbet. Im Allgemeinen aber will Petrus uns belehren, dass man das Böse durch Wohltaten überwinden muss. Das ist freilich schwer; aber wir sollen darin es unserm himmlischen Vater gleichtun, der Seine Sonne auch über Unwürdige aufgehen lässt.

Wisset, dass ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen erbt. – Weil die Aufgabe der Christen gar zu hart und unbillig scheinen konnte, stellt ihnen der Apostel den Lohn vor Augen. Die Gläubigen haben keinen Grund zur Klage; denn wenn sie Beleidigungen verzeihen, tun sie es zu ihrem eigenen Besten. Geduld ist ein ungeheurer Gewinn; denn wenn wir mit Gleichmut Unrecht erdulden, geleitet uns der Herr mit Seinem Segen. Dass wir denselben „erben“, deutet auf seinen bleibenden Besitz. Petrus will sagen, dass es uns nicht bloß für kurze Zeit, sondern immer wohl gehen soll, wenn wir uns mäßigen und das Unrecht ertragen. Übrigens segnet Gott auf andere Weise als die Menschen. Unsere Sache ist es, Bitten um Segen zu Ihm empor zu schicken; die Segnung selbst liegt in Seiner Hand. Auch das Umgekehrte lässt uns Petrus zwischen den Zeilen lesen, dass Menschen, die Unrecht rächen wollen, einen unglücklichen Ausgang aller ihrer Anschläge erfahren müssen, weil sie sich durch ihr Verfahren des Segens Gottes entschlagen.

 

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.