1. Petrus 3.15b-16
Seid allezeit bereit zur Verantwortung jedermann, der Grund fordert der Hoffnung, die in euch ist, und das mit Sanftmütigkeit und Furcht; und habt ein gut Gewissen, auf dass die, so von euch afterreden als von Übeltätern, zuschanden werden, dass sie geschmäht haben euren guten Wandel in Christo.
Dies ist eine neue Vorschrift, die sich jedoch aus dem Vorangehenden ergibt. Denn der Apostel mutet den Gläubigen eine Standhaftigkeit zu, in der sie ohne Scheu Widersachern von ihrem Glauben Rechenschaft geben. Dies gehört zu der Heiligung Gottes, von der soeben die Rede war. Denn erst dann geben wir dem Herrn in Wahrheit Seine Ehre, wenn weder Furcht noch Scham uns am rechten Bekenntnis des Glaubens hindern. Übrigens befiehlt Petrus nicht geradezu, dass wir überall, immer und unterschiedslos gegenüber allen Menschen alles verkünden und offenbar machen sollen, was der Herr uns gegeben hat. Denn Gott hat die Seinen mit dem Geist der Unterscheidung ausgerüstet, damit sie zu beurteilen wissen, wann, wieweit und bei welchen Leuten zu reden nützlich ist.
Er heißt uns nur: Seid bereit zur Verantwortung, damit wir nicht durch Gleichgültigkeit oder feige, fleischliche Furcht mit unserem Schweigen die Lehre Christi dem Gespött gottloser Leute preisgeben. Diese Weisung zielt alles in allem darauf, dass wir zum Bekenntnis des Glaubens bereitstehen müssen, es abzulegen, so oft es nötig ist, damit nicht die Ungläubigen infolge unseres Schweigens unsere ganze Religion für verwerflich erklären. Übrigens – das wollen wir bemerken – legt Petrus uns nicht auf, uns für die Lösung jeder Frage, die man aufwirft, bereit zu halten. Denn es ist nicht jedermanns Sache, über jegliches Ding zu disputieren. Und hier steht doch eine allgemeine Anweisung, die auch unerfahrene und ungebildete Leute angeht. Petrus zielt also lediglich darauf, dass die Christen den Ungläubigen eindrücklich machen sollen, wie sie Gott in reiner Weise verehren und eine heilige und rechte Religion pflegen. Und das hat keine Schwierigkeit. Denn es wäre doch ganz ungereimt, dass wir nichts zur Verteidigung unseres Glaubens sollten vorbringen können, wenn jemand uns darnach fragt. Müssen wir uns doch stets bemühen, dass jedermann erkenne, wie wir Gott fürchten und fromm und ehrfürchtig über Seine rechtmäßige Verehrung denken. Das fordert auch die Rücksicht auf die Zeit. Der Name der Christen war überaus verhasst und unehrlich. Viele hielten sie für eine nichtswürdige, mit vielen Religionsfreveln angefüllte Sekte. So wäre es die äußerste Treulosigkeit gegen Gott gewesen, wenn die Christen keinen Wert daraufgelegt hätten, auf Fragen zu antworten und Zeugnis von ihrer Frömmigkeit abzulegen. Das meint der Apostel, wie mich dünkt, mit der Verantwortung, die er den Christen zumutet.
„Hoffnung“ steht hier im Austausch für „Glaube“. Doch meint Petrus, wie gesagt, nicht, dass die Gläubigen peinlich und gründlich über die einzelnen Glaubensartikel zu disputieren wissen sollen, vielmehr sollen sie nur zeigen können, dass der Glaube an Christus wahre Frömmigkeit ist. Daraus schließen wir freilich, dass Leute, die keine Gewissheit haben und nichts zur Verteidigung ihres Glaubens zu sagen wissen, sich nur missbräuchlich Christen nennen. Sehr erwägenswert ist nun weiter, was Petrus von der Hoffnung sagt, „die in euch ist.“ Er gibt damit zu verstehen, dass nur ein solches Bekenntnis Gott gefällt, welches aus dem Herzen quillt; wenn der Glaube nicht tief im Innern wurzelt, wird die Zunge vergeblich schwätzen.
Und das mit Sanftmütigkeit und Furcht. – Eine sehr nötige Erinnerung; denn wenn die Gemüter nicht auf Maßhalten gestimmt sind, werden sofort Streitereien empor wuchern. Sanftmütigkeit steht nun im Gegensatz sowohl zu stolzer und windiger Prahlerei als zu übertriebener Hitze. Darum hat sich mit ihr die Furcht zu verbinden; denn wo Ehrfurcht vor Gott herrscht, bändigt sie allen Trotz der Seele; insbesondere aber lehrt sie uns, Gottes Geheimnisse mit sanftem Geist zu behandeln. Denn streitsüchtige Wortgefechte kommen eben daher, dass sehr viele Menschen nicht genügend ehrfürchtige Gedanken über die Größe der himmlischen Weisheit hegen und sich darum in unheiliger Kühnheit überheben. Soll also das Bekenntnis unseres Glaubens vor Gott angenehm sein, so müssen wir alles hochfahrende und streitsüchtige Wesen fernhalten.
Und habt ein gut Gewissen. – Weil das Wort ohne das Leben wenig Eindruck macht, fügt der Apostel zum Bekenntnis des Glaubens das gute Gewissen. Sehen wir doch, wie sehr viele Leute eine geschwinde Zunge haben und vieles leichthin herausschwätzen, aber ohne Nutzen, weil sie nicht ein entsprechendes Leben führen. Weiter ist es nun ein unangreifbares Gewissen, das uns die nötige Zuversicht zum Reden verleiht. Wer viel über das Evangelium plappert, aber aus seinem zügellosen Leben der Unfrömmigkeit überwiesen werden kann, macht nicht nur sich lächerlich, sondern gibt auch die Lehre selbst den Verleumdungen gottloser Leute preis. Denn warum anders sollen wir zur Verteidigung bereitstehen, wenn jemand Rechenschaft unseres Glaubens fordert, als weil es unsere Aufgabe ist, die Lehre Gottes gegen verkehrten Verdacht zu schützen, mit welchem unerfahrene Menschen sie belasten? Es wird aber ein Schutz mit der Zunge wenig helfen, wenn das Leben nicht damit zusammenstimmt. Darum heißt es, dass zuschanden werden sollen, die unsern guten Wandel in Christus schmähen, weil sie von uns wie von Übeltätern reden. Die Meinung ist: Wenn die Gegner an euch nichts anderes zu zerpflücken haben, als dass ihr Christus nachfolgt, werden sie sich endlich ihrer Bosheit schämen müssen; oder wenigstens wird eure Unschuld ausreichen, sie zu widerlegen.