2. Petrus 2.4-8
Denn so Gott der Engel, die gesündigt haben, nicht verschont hat, sondern hat sie mit Ketten der Finsternis zur Hölle verstoßen, und übergeben, dass sie zum Gericht behalten werden; und hat nicht verschont der vorigen Welt, sondern bewahrte Noah, den Prediger der Gerechtigkeit, mit sieben anderen, und führte die Sintflut über die Welt der Gottlosen; und hat die Stätte Sodom und Gomorra zu Asche gemacht, umgekehrt und verdammt, damit ein Beispiel gesetzt den Gottlosen, die hernach kommen würden; und hat erlöst den gerechten Lot, welchem die schändlichen Leute alles Leid taten mit ihrem unzüchtigen Wandel; da er es nun sehen und hören musste, weil er gerecht war, und unter ihnen wohnte, quälte er seine gerechte Seele von Tag zu Tage mit ihren ungerechten Werken.
Denn so Gott der Engel, die gesündigt haben, nicht verschont hat. – Wir haben schon gesagt, wie wichtig die Erkenntnis ist, dass die Gottlosen, welche die Gemeinde mit falschen Lehren verstören, dem Zorngericht Gottes nicht entgehen können. Das erweist Petrus nun an drei sehr hervorragenden Beispielen göttlichen Gerichts: Gott hat nicht einmal Seine eigenen Engel verschont; Er hat die ganze Welt einmal durch die Sintflut vernichtet; Er hat Sodom und seine Nachbarstädte zu Asche gemacht. Für Petrus steht es fest – was auch bei uns keinem Zweifel unterliegen darf – dass Gott der Richter der ganzen Welt ist. Folglich wird Er auch heutzutage in ähnlicher Weise strafen, wie Er damals die gottlosen Frevler gestraft hat. Denn Sein Sinn ist unveränderlich und nimmt nicht einen Menschen an, indem Er ihm sein Vergehen vergibt, während Er den anderen um desselben Vergehens willen straft. Nein, Er hasst ohne Unterschied die Ungerechtigkeit, wo sie sich zeigt. Immer muss man ja den Unterschied zwischen Gott und Mensch festhalten: Die Menschen urteilen bald so, bald anders; Gott aber bleibt immer derselbe, wenn Er richtet. Denn wenn Er den Auserwählten die Sünde vergibt, tut Er es, weil Er die Sünde um der Buße und des Glaubens willen vertilgt. Darum versöhnt Er uns mit sich nicht anders, als indem Er uns rechtfertigt.
Wenn nun die Engel, trotz ihrer großen Erhabenheit, der strafenden Hand Gottes durch ihre Würde doch nicht entronnen sind, wie viel weniger werden sterbliche Menschen entkommen, die jenen in ihrer Gottlosigkeit nachgefolgt sind! Hier erinnert Petrus kurz an den Fall der Engel (1. Mose 6). Er redet aber weder von dem Wann oder Wie noch von anderen Umständen. Man muss hier volle Nüchternheit walten lassen. Es gibt ja viele neugierige Menschen, die kein Ende finden, hierüber zu grübeln. Und doch, wenn Gott nur kurz, gleichsam nur im Vorübergehen, diese Geschichte in der Schrift gestreift hat, so hat Er uns damit sagen wollen: Seid zufrieden mit dieser bescheidenen Kunde! Und sicherlich dient, wer allzu ängstlich darüber forscht, nicht der Erbauung, sondern will die Seelen mit eitlen Traumgebilden nähren. Was uns von Nutzen war, ist uns geoffenbart; nämlich, dass Gott die Teufel ursprünglich geschaffen hat, damit sie Ihm gehorchen sollten; dass sie aber durch eigene Schuld abgefallen sind, weil sie sich nicht unter Gottes Herrschaft beugen wollten, und dass die Bosheit, die ihnen anklebte, ihnen nicht von Natur anerschaffen war, so dass man sie auf Gott zurückführen könnte. Gar deutlich schreibt auch Judas (Vers 6), sie hätten ihren Ursprung oder ihr Fürstentum nicht bewahrt.
Mit Ketten der Finsternis. – Sie werden bis zum letzten Tag in Finsternis gebannt bleiben. Dieses Bild ist genommen von den Übeltätern, welche nach ihrer Verurteilung die halbe Strafe schon in der dunkeln Nacht des Kerkers erleiden, bis sie endlich zur Hinrichtung abgeführt werden. Daraus sollen wir nicht allein lernen, wie schwer die Strafe der Verworfenen nach dem Tode, sondern auch, wie schön das Leben der Kinder Gottes ist. Denn in der Hoffnung auf die sichere Seligkeit ruhen sie gar friedsam, obwohl sie noch nicht im Genuss dieser Seligkeit stehen; während die anderen von dem entsetzlichen Ausblick auf das ihrer harrende Strafgericht gequält werden.
Und hat nicht verschont der vorigen Welt. – Nachdem das Menschengeschlecht im Wasser untergegangen war, hat Gott gleichsam eine ganz neue Welt geschaffen. Wie sollten denn die Frevler der Flut des göttlichen Zornes entrinnen, nachdem einmal die ganze Erde verschlungen war? Denn wenn es heißt, acht seien gerettet worden, so sagt das nicht, die Zahl habe wie ein Schild zum Schutz der Bösen vor Gott gestanden, sondern: Alle Sünder mussten büßen, mochten es viel oder wenig sein.
Noah heißt ein Prediger der Gerechtigkeit, weil er versuchte, die verderbte Welt zur Gesundung zu führen, nicht bloß durch Lehre und Ermahnung zur Heiligung, sondern auch besonders dadurch, dass er sich einhundertzwanzig Jahre lang (1. Mose 6.3) mit dem Bau der Arche mühte. Der Apostel will uns den Zorn Gottes über die Verworfenen so deutlich vor Augen malen, dass wir dadurch desto mehr zur Nachfolge der Heiligen angetrieben werden.
Die Stätte Sodom und Gomorra zu Asche gemacht, umgekehrt und verdammt, damit ein Beispiel gesetzt den Gottlosen, die hernach kommen würden und hat erlöst den gerechten Lot, welchem die schändlichen Leute alles Leid taten mit ihrem unzüchtigen Wandel. – Dieses Beispiel göttlicher Strafe ist so denkwürdig, dass die Schrift, wo sie auch vom Untergang der Gottlosen überhaupt redet, stets dieses Bild gebraucht. Darum sagt Petrus: Diese Städte seien zum Beispiel gesetzt. Eigentlich kann dies ja auch von andern gesagt werden. Doch ist dieses Bild – wie auch Petrus meint – besonders treffend und lebendig. Gott hat ja Seinen Zorn gegen die Gottlosen zu allen Zeiten bezeugt wissen wollen, wie Er auch anderseits durch die gnädige Tat der Erlösung Seines Volkes aus Ägypten uns das ewige Heil der Gemeinde vor Augen stellte. In demselben Sinne redet Judas (Vers 7) von der Pein des ewigen Feuers.
Da er es nun sehen und hören musste, weil er gerecht war, und unter ihnen wohnte, quälte er seine gerechte Seele von Tag zu Tage mit ihren ungerechten Werken. – Da Lot als ein gerechter Mann unter den Sodomitern lebte, so quälte er seine Seele durch das Ansehen und Anhören der Gräueltaten. Wir wissen es ja, wie vieles zu sehen und zu hören er gezwungen wurde, was seine Seele jämmerlich quälen musste. Das Hauptgewicht liegt darauf, dass der heilige Mann, obwohl er von allen möglichen ungeheuerlichen Lastern umgeben war, trotzdem nicht vom rechten Wege abgewichen ist. Noch mehr aber als zuvor betont Petrus die Freiwilligkeit der Qualen, die der gerechte Lot auf sich genommen hat. So gereicht es auch allen Frommen zu nicht geringem Schmerz, wenn sie sehen, wie die Welt sich in alle möglichen Bosheiten stürzt. Umso nötiger ist es für uns, über die eigenen Sünden zu seufzen. Der Apostel will vor allem das verhüten, dass wir uns, von den Lockungen der Laster verleitet und berauscht, nicht zugleich mit den anderen dem Verderben preisgeben, wo jetzt überall die Gottlosigkeit überhand nimmt. Lasst uns vielmehr – so ruft er uns zu – diesen Schmerz, den der Herr durch sein „selig“ (Matthäus 5.11) geadelt hat, höher achten als alle Ergötzlichkeiten der Welt!