2. Petrus Kapitel 2 Teil IV

    2. Petrus 2.12-16

    Aber sie sind wie die unvernünftigen Tiere, die von Natur dazu geboren sind, dass sie gefangen und geschlachtet werden, lästern, da sie nichts von wissen, und werden in ihrem verderblichen Wesen umkommen und den Lohn der Ungerechtigkeit davon bringen. Sie achten für Wollust das zeitliche Wohlleben, sie sind Schandflecken und Laster, führen ein üppiges Leben in ihrem betrügerischen Treiben, während sie mit euch schmausen, haben Augen voll Ehebruchs, lassen ihnen die Sünde nicht wehren, locken an sich die leichtfertigen Seelen, haben ein Herz, durchtrieben mit Habsucht, verfluchte Leute. Sie haben verlassen den richtigen Weg, und gehen irre, und folgen nach dem Wege Bileams, des Sohns Beors, welchem geliebte der Lohn der Ungerechtigkeit, hatte aber eine Strafe seiner Übertretung: das stumme, lastbare Tier redete mit Menschenstimme und wehrte des Propheten Torheit.  

    Aber sie sind wie die unvernünftigen Tiere, die von Natur dazu geboren sind, dass sie gefangen und geschlachtet werden, lästern, da sie nichts von wissen, und werden in ihrem verderblichen Wesen umkommen und den Lohn der Ungerechtigkeit davon bringen. – Noch weiter ist von jenen gottlosen, verbrecherischen Verführern die Rede. Zuerst schätzt sie Petrus nach ihrer Leichtfertigkeit und schmutzigen Nichtsnutzigkeit ihres ganzen Lebens ein. Dann (Vers 14) sagt er, sie seien so frech und dreist, dass sie sich durch ihre possenreißerhafte Geschwätzigkeit in vieler Gunst einschmeichelten.

    Zunächst vergleicht er sie mit unvernünftigen Tieren, welche in die Welt gesetzt zu sein scheinen, um in Netze zu gehen und ihrem Untergang entgegen zu stürmen. Durch Reize verlockt, ganz aus eigenem Antrieb stürzen sie sich eilends in die Stricke des Satans und des Todes.

    Wenn es weiterhin heißt: Lästern, da sie nichts von wissen, so geht das auf ihren Hochmut. Die Meinung ist, darum werde von ihnen alle Majestät leichtfertig verlästert, weil sie ganz abgestumpft seien, so dass sie sich in nichts mehr vom Vieh unterscheiden.

    Sie achten für Wollust das zeitliche Wohlleben, sie sind Schandflecken und Laster, führen ein üppiges Leben in ihrem betrügerischen Treiben, während sie mit euch schmausen, haben Augen voll Ehebruchs, lassen ihnen die Sünde nicht wehren. – Sie suchen also ihre Glückseligkeit in zeitlichem Wohlleben. Wir wissen, dass die Menschen sich vor den unvernünftigen Tieren durch einen weiteren Gesichtskreis auszeichnen. Also ist es eines Menschen unwürdig, in der zeitlichen Sinnlichkeit aufzugehen. Darin liegt zugleich die Mahnung, den Sinn loszulösen von dem Wohlleben des Fleisches, wenn anders wir nicht wie das Vieh gewertet werden wollen.

    Das Folgende hat den Sinn: Diese da besudeln euch und eure Gemeinschaft mit ihren hässlichen Lastern. Denn wenn sie mit euch schmausen oder Tischgemeinschaft halten, so führen sie zugleich ein üppiges Leben in ihrem betrügerischen Treiben und bringen ihre buhlerische Liebe und verderbte Unenthaltsamkeit mit Augen und Mienen zum Ausdruck. Als (Vers 14) „Augen voll Ehebruchs“ werden lüsterne Augen bezeichnet, die in unruhiger Bewegung gierig nach der Sünde haschen.

    Locken an sich die leichtfertigen Seelen. – Die Gläubigen sollen sich hüten vor den heimlichen, trügerischen Nachstellungen der falschen Lehrer. Ihre Betrügereien werden verglichen mit Angeln, welche Unvorsichtige ins Verderben reißen können. Dass sie nur „leichtfertige“ Seelen verführen können, zeigt den Weg zur Bewahrung: Wurzelt in festem Glauben und in der Furcht des Herrn! Zugleich weist der Apostel aber auch darauf hin, dass keine Entschuldigung verdient, wer sich durch solche Schmeichelkünste angeln lässt. Das zeige nur die eigene Leichtfertigkeit. Hat also der Glaube einen festen Boden, so werden wir sicher sein vor den Fangversuchen der Gottlosen.

    Ein Herz, durchtrieben mit Habsucht. – Verurteilte der Apostel kurz zuvor das ungezügelte Wesen, das sich im Blick kundtut, so scheint er hier die im Herzen verborgenen Begierden zu treffen. „Geiz“ ist also viel zu eng; es handelt sich um alles umfassende „Habsucht“.

    Verfluchte Leute. – Buchstäblich: „Kinder des Fluchs“. So können Leute bezeichnet werden, die, wohin sie ihren Fuß setzen, den Fluch mit sich umhertragen, oder solche, die des Fluches wert sind. Da bisher davon gesprochen wurde, wie viel Schaden das Beispiel eines verkehrten, schändlichen Lebenswandels verursacht, so wird wiederholt, dass jene Menschen in ihrer Lehre das tödliche Gift der Gottlosigkeit verstreuen, wodurch sie die Einfältigen umbringen. Der Apostel vergleicht sie mit Bileam, dem Sohne Beors, der sich erkaufen ließ, dem Volke Gottes zu fluchen. Und um zu zeigen, wie jene keine lange Zurückweisung verdienten, sagt er: Bileam sei von einer Eselin zurechtgewiesen, und so sei er seiner Torheit überführt worden. Ebenso werden die Gläubigen von der Gemeinschaft mit solchen Leuten abgeschreckt. Es war ein schreckliches Gericht, das Gott vollzog, dass der Engel sich der Eselin früher offenbarte als dem Propheten, und dass die Eselin, in dem Gefühl, Gott sei ihnen zuwider, nicht wagte, vorwärts zu gehen, sondern vielmehr zurückwich, während der Prophet, von seiner blinden Habgier getrieben, gegen die deutliche Hinderung von Seiten Gottes sich vordrängte. Denn die Antwort, die ihm zuteil ward, er möge weitergehen (4. Mose 22.20-35), war vielmehr ein Zeichen göttlicher Ungnade als eine Erlaubnis. Der geöffnete Mund der Eselin gereichte jenem Bileam zu höchster Entehrung: Dem Mann, der sich dem Befehl Gottes nicht unterwerfen wollte, wurde eine Eselin zur Lehrerin gegeben. Durch dieses Wunder wollte der Herr zeigen, wie ungeheuerlich es ist, Wahrheit in Lüge zu verkehren.

    Man mag fragen, mit welchem Recht (Vers 16) Bileam ein Prophet heiße, da er doch bekanntlich in mannigfachem Aberglauben befangen war? Ich antworte: Die Fähigkeit, zu weissagen, ist eine derartig besondere Gabe, dass, wer sonst auch nicht dem wahren Gott dient oder die reine Religion besitzt, doch damit ausgestattet sein kann. Manchmal wollte Gott mitten in der Götzendienerei eine Weissagung erstehen lassen, damit die Menschen desto weniger Entschuldigungsgründe hätten.

    Zieht man also in Betracht, was Petrus gesagt hat, so findet man, dass seine Ermahnungen ebenso gut für unsere Zeiten gelten. Denn überall missbrauchen die Menschen possenhafte Witzeleien dazu, Gott und Christus zu verspotten; ja sie verhöhnen mit faden Witzen alle Frömmigkeit. Und wenn sie sich auch wie das Vieh zu ihresgleichen tun, so mischen sie sich doch auch unter die Gläubigen. Sie schwatzen etwas von Evangelium, aber unterdes gehorcht ihre Zunge dem Teufel, um die ganze Welt dem ewigen Verderben zu weihen. Sie sind sogar schlimmer als Bileam, weil sie ohne Lohn die Welt mit ihren Flüchen überschütten, während jener, nur durch den verheißenen Lohn verlockt, zum Fluchen sich bereitfinden ließ.