2. Petrus Kapitel 2 Teil V

    2. Petrus 2.17-19

    Das sind Brunnen oder Wasser, und Wolken, vom Windwirbel umgetrieben, welchen behalten ist eine dunkle Finsternis in Ewigkeit. Denn sie reden stolze Worte, da nichts hinter ist, und reizen durch Unzucht zur fleischlichen Lust diejenigen, die recht entronnen waren denen, die im Irrtum wandeln, und verheißen ihnen Freiheit, so sie selbst Knechte des Verderbens sind. Denn von welchem jemand überwunden ist, des Knecht ist er geworden.  

    Das sind Brunnen oder Wasser, und Wolken, vom Windwirbel umgetrieben, welchen behalten ist eine dunkle Finsternis in Ewigkeit. – Mit diesen Bildern lehrt uns der Apostel, dass jene Leute nichts in sich haben, wenn sie auch große Pracht zur Schau tragen. Ein Brunnen lädt schon durch seinen Anblick die Menschen zu sich ein, weil er sein Wasser zum Trinken und zu anderen Lebensbedürfnissen verheißt. Und sobald Wolken am Himmel aufziehen, erregen sie Hoffnung auf kommenden Regen, der das Land befeuchte. Petrus vergleicht jene Leute also mit Brunnen ohne Wasser, weil sie sich mit Hoffart brüsten, geistreiche Gedanken äußern und bei ihren Reden sich mit Wohlgefälligkeit zieren, innerlich aber dürr und unfruchtbar sind. Sie sind Wolken, die vom Windwirbel umgetrieben werden, ohne dass sie Regen brächten. Ja, sie arten eher noch in einen gefährlichen Wolkenbruch aus. So besagt das Bild: Sie bringen keinen Nutzen; oft richten sie sogar das größte Unheil an. Hernach kündigt ihnen Petrus wiederum ein schreckliches Gottesgericht an, um die Gläubigen durch die Furcht davor zu warnen. Mit der dunkeln Finsternis spielt er auf die Nebelwolken an, die Dunkelheit erzeugen. Statt der vorübergehenden Finsternis, die sie jetzt in den Gemeinden hervorrufen, ist für sie eine weit dichtere, ewige bereitet.

    Denn sie reden stolze Worte. – Mit ihrem Redeschwall betäuben sie die Ohren der Einfältigen, so dass diese ihren Trug nicht merken können. Denn es wäre nicht leicht, die Gemüter mit solchem Unsinn gefangen zu nehmen, wenn sie nicht zuvor durch irgendeinen Kunstgriff gelähmt wären. Sie haben, so sagt Petrus, eine schwülstige, aber klangvolle Redeweise, durch welche sie die Unvorsichtigen zur Bewunderung hinreißen. Ferner ist jene Großartigkeit die Rede, die mit überreicher Lungenkraft hervorsprudelt, sehr geeignet, die Winkelzüge zu verdecken. So förderten sie in den ersten Zeiten der Christenheit gleichsam Tonstücke zutage, von denen man zuvor keine Ahnung gehabt, durch deren bloßen Klang die Unerfahrenen betört und verstrickt wurden. Nicht anders ist es heutzutage. Da treten rasende Menschen mit dem Ehrentitel „Freidenker“ auf [Lateinisch: Libertini]. Mit vollen Backen posaunen sie in die Welt hinaus, wie viel Geist und Geistliches in ihnen wohne, als ob sie über den Wolken ihre Stimme erschallen ließen. Sie bezaubern viele durch ihr Blendwerk, so dass man fast sagen möchte, der Apostel habe eigentlich von diesen Leuten geredet. Mit Witzen und Nachäfferei begrüßen sie alles. Und obgleich ihr Tun meist sehr fade ist, so finden sie doch mit ihren Gaukeleien Anklang, weil sie allen Lastern freien Lauf lassen. Nichts anderes soll erreicht werden als eine Gesellschaft von Menschen, die sich an kein Gesetz mehr binden, sondern nur ihren eigenen Trieben gehorchen. Darum kann dieser Brief auch in unserer Zeit manchem einen Halt gewähren.

    Und reizen durch Unzucht zur fleischlichen Lust diejenigen, die recht entronnen waren denen, die im Irrtum wandeln. – Gar feinsinnig vergleicht Petrus die Lockungen der Gottlosen, die alles als erlaubt hinstellen, mit Angeln. Denn die Begierden der Menschen sind blind, und sobald ihnen eine Freiheit angeboten wird, stürzen sie heißhungrig darauf los und eignen sich dieselbe eifrig an. Aber bald hernach fühlen sie den Angelhaken, der innerlich würgt und quält.

    Der Apostel sagt, dass Menschen, die tatsächlich schon der Gemeinschaft der Irrlehrer entronnen waren, durch eine neue Art von Irrtum sich wieder verführen lassen, indem man ihnen nämlich die Zügel zu jeglicher Unmäßigkeit freigibt. Da erhebt Paulus warnend seinen Finger: Seht, wie Gefahr drohend die Nachstellungen jener Menschen sind! Schon das war ein erschreckendes Beispiel, dass Blindheit und dicke Finsternis fast die ganze Menschheit bedeckten. Doppelt entsetzlich war es also gewissermaßen, dass die Menschen, nachdem sie einmal von dem gemeinsamen Irrtum der Welt losgelöst und durch Gott erleuchtet waren, doch in tierischen Stumpfsinn zurückfielen. Das mahnt uns zur größten Wachsamkeit, wenn wir einmal erleuchtet sind, damit uns nicht der Teufel unter dem Vorwand der Freiheit verführe, dass wir nach der Lust des Fleisches uns der Zügellosigkeit ergeben. Vor dieser Gefahr sind wir nur sicher, wenn wir mit Ernst auf unsere Heiligung bedacht sind.

    Und verheißen ihnen Freiheit, so sie selbst Knechte des Verderbens sind. – Der Gegensatz zeigt, dass jene Leute fälschlich Freiheit verheißen, da sie ja selbst in schmählichster Weise sich als Knecht der Sünde übergeben haben. Niemand kann geben, was er nicht hat. Doch scheint dieser Grund nicht durchschlagend. Denn zuweilen verkündigen nichtswürdige Menschen mit Nutzen die Wohltaten Christi, obwohl sie selbst Christus völlig fremd sind. Aber man muss beachten, dass in unserem Zusammenhang die verkehrte Lehre verworfen wird, die mit einem unreinen Leben verknüpft war. Der Apostel will den trügerischen Lockungen begegnen, durch welche törichte Leute sich verführen lassen. Freiheit ist ein gar süßer Laut. Ihn ließen jene Leute missbräuchlich erklingen, um ihre Zuhörer von der Furcht vor dem göttlichen Gesetz zu lösen, so dass sie sich nun in zügellos ungebundenes Wesen stürzen konnten. Die Freiheit, die Christus uns erworben hat und die Er uns Tag für Tag durch Sein Evangelium anbietet, ist dagegen eine ganz andere: Sie entzieht uns dem Joch des Gesetzes, sofern es uns mit seinem Fluche trifft, und befreit uns von der Gewaltherrschaft der Sünde, sofern sie uns durch ihre Begierden bindet. Wo darum die Lüste herrschen, wo das Fleisch sein Zepter führt, da ist für Christi Freiheit kein Raum! Der Apostel verkündigt also allen Gottseligen, sie sollten keine andere Freiheit suchen als die, welche sie aus der Haft der Sünde entlässt und zu dem freien Gehorsam der Gerechtigkeit führt. Folglich sind die Leute, welche das Wort Freiheit falscher weise auf ihre Fahnen schrieben, allezeit unrein gewesen, und wir haben in ihrem Tun nichts anderes zu sehen als eine List des Teufels.

    Denn von welchem jemand überwunden ist, des Knecht ist er geworden. – Dieser Satz ist dem Kriegsrecht entnommen. Auch sonst kann man es oft selbst bei heidnischen Schriftstellern lesen: Nirgends finde man härtere, erbärmlichere Knechtschaft als da, wo die Lüste herrschen. Was vollends müssen wir tun, wir, denen der Sohn Gottes Seinen Geist gegeben hat, dass wir nicht nur von der Herrschaft der Sünde erlöst, sondern auch Sieger würden im Kampf mit Fleisch und Welt!