Jakobus 4.4-6
Ihr Ehebrecher und Ehebrecherinnen, wisset ihr nicht, dass der Welt Freundschaft Gottes Feindschaft ist? Wer der Welt Freund sein will, der wird Gottes Feind sein. Oder lasset ihr euch dünken, die Schrift rede umsonst? Oder äußert sich etwa das Begehren des Geistes, der in euch wohnt, im Neid? Vielmehr gibt er gesteigerte Gnade.
Ihr Ehebrecher und Ehebrecherinnen, wisset ihr nicht, dass der Welt Freundschaft Gottes Feindschaft ist? – Ich verbinde diesen Satz mit dem Vorhergesagten. Ehebrecher nennt Jakobus meiner Meinung nach bildlicherweise diejenigen, die, in der Eitelkeit dieser Welt verderbt, sich von Gott losgemacht haben. Er hätte auch sagen können, sie seien entartet oder dergleichen. Wir wissen ja, wie häufig in der Schrift die Erwähnung des heiligen Ehebundes ist, den Gott mit uns eingegangen. Uns will Er deshalb der reinen Jungfrau ähnlich sehen, wie Paulus sagt (2. Korinther 11.2). Diese Reinheit verletzen und verderben alle unreinen, weltlichen Triebe. Nicht ohne Grund vergleicht Jakobus deshalb die Weltliebe mit dem Ehebruch. Wer den Ausdruck ganz eigentlich nimmt, beachtet den Zusammenhang nicht genug. Denn Jakobus fährt, wie das Folgende zeigt, noch fort in seiner Bekämpfung der menschlichen Lüste, welche mit der Welt verstricken, aber von Gott abführen.
Der Welt Freundschaft. – Weltfreundschaft nennt Jakobus die Anheimgabe und Unterwerfung unter die Verführung der Welt. Denn der Zwiespalt zwischen Gott und Welt ist derart und so groß, dass das Maß der Zuneigung zur Welt auch das der Entfremdung von Gott ist. Darum heißt uns die Schrift so oft der Welt absagen, falls wir Gott dienen wollen.
Oder lasset ihr euch dünken, die Schrift rede umsonst? Oder äußert sich etwa das Begehren des Geistes, der in euch wohnt, im Neid? – Es hat zunächst den Anschein, als sollte der folgende Satz ein Zitat aus der Schrift sein. Die Erklärer winden und drehen sich daher sehr, weil in der Schrift nirgends ein derartiger oder doch wenigstens ähnlicher Satz zu finden ist. Dagegen steht nicht das mindeste der Beziehung auf das Vorhergehende, dass der Welt Freundschaft Feindschaft gegen Gott sei, entgegen. Es ist ja schon erwähnt, dass das eine mehrfach in der Schrift wiederkehrende Lehre ist. Dass die ausdrückliche Beziehung auf diesen vorhergehenden Satz fehlt, ist nicht zu verwundern; der Stil des Jakobus ist scheinbar durchweg ziemlich gedrungen.
Das Begehren des Geistes. – Manche meinen, hier sei von dem menschlichen Geist die Rede. So lesen sie den Satz nicht Frage-, sondern Aussage-weise in dem Sinne: Der menschliche Geist als ein sündlicher ist ganz vom Neid erfüllt und mischt ihn in alle seine Triebe. Richtiger aber urteilen die, welche die Aussage auf Gottes Geist beziehen. Dieser ist es, der uns gegeben ist, dass Er in uns wohne. Ich meinerseits verstehe den Satz nicht nur vom göttlichen Geist, sondern lese ihn auch frageweise. Aus der Tatsache des bei den Lesern vorhandenen Neides soll bewiesen werden, dass sie sich nicht von Gottes Geist beherrschen lassen. Denn dieser lehrt die Gläubigen anders. Hierfür dient das folgende Glied der Aussage zum Beweis, der Zusatz (Vers 6): Vielmehr gibt er gesteigerte Gnade. Das ist nämlich ein Beweis aus dem Gegenteil heraus. Neid ist ein Zeichen der Schlechtigkeit; der Geist Gottes aber, der Gaben Fülle, beweist Seine freigebige Güte. Also steht nichts schärfer im Widerstreit mit Seinem Wesen als der Neid. Kurz, Jakobus leugnet entschieden, dass Gottes Geist da regiere, wo die bösen, uns zum gegenseitigen Streit erregenden Lüste kräftig sind, weil es des Geistes Art ist, die Menschen immer von neuem mit frischen Gaben auszustatten. Mit der Widerlegung anderer Erklärungen will ich mich nicht aufhalten. Einige erklären: Den Geist gelüste wider den Neid. Das ist allzu hart und gezwungen. Sie erklären, die größere Gnade werde gegeben zur Bezähmung der Lüste, zu ihrer Bezwingung für ein geordnetes Leben. Meine Auffassung aber ist natürlicher: Durch Seine reichliche Güte zieht uns der Geist ab von bösem Eifer. Der letzte Satz ist nicht eigentlich als Gegensatz gedacht, sondern als eine Weiterführung des Gedankens. Daher ist er angeknüpft mit „vielmehr“.