Jakobus Kapitel 4 Teil V

    Jakobus 4.13-17

    Wohlan nun, die ihr saget: Heute oder morgen wollen wir gehen in die oder die Stadt, und wollen ein Jahr da liegen und Handel treiben und gewinnen; die ihr nicht wisset, was morgen sein wird. Denn was ist euer Leben? Ein Dampf ist’s, der eine kleine Zeit währet, darnach aber verschwindet er. Dafür ihr sagen sollt: So der Herr will und wir leben, wollen wir dies oder das tun. Nun aber rühmet ihr euch in eurem Hochmut. Aller solcher Ruhm ist böse. Denn wer da weiß Gutes zu tun und tut’s nicht, dem ist’s Sünde.

    Wohlan nun, die ihr saget: Heute oder morgen wollen wir gehen in die oder die Stadt, und wollen ein Jahr da liegen und Handel treiben und gewinnen; die ihr nicht wisset, was morgen sein wird. – Eine andere Art des Hochmuts nimmt Jakobus hier unter sein Urteil, nämlich dass so viele, da sie doch sich abhängig dünken müssten von Gottes Vorsehung, ganz unbefangen feststellen, was sie tun werden, und ihre Pläne auf lange Zeit im Voraus machen, als ob sie eine lange Reihe von Jahren in der Hand hätten, während sie doch nicht einmal eines Augenblicks sicher sind. Ein derartig törichtes Sich-brüsten verspottet auch Salomo witzigerweise (Sprüche 16.1), wenn er sagt: Der Mensch setze sich seine Wege wohl im Herzen vor, indessen Gott tatsächlich die Zunge regiere. Es ist doch sehr töricht, wenn wir das eigenwillig als Ziel uns vornehmen, was bloß auszusprechen nicht einmal in unserer Macht steht. Nicht so sehr das äußere Sagen befehdet Jakobus, als vielmehr die Torheit des Herzens, dass Menschen ihre eigene Schwäche vergessen und so übermütig sind. Es kann ja geschehen, dass fromme Menschen von bescheidenem Sinn, die auch durchaus anerkennen, dass Gottes Wink ihren Weg regiere; sagen, sie würden dies oder jenes tun, ohne dass sie daran eine Einschränkung knüpfen. Doch ist es gut und nützlich, wenn man etwas für die Zukunft verspricht, sich an die bekannten Redeweisen zu gewöhnen: Wenn es dem Herrn gefällt, oder: Wenn der Herr es erlaubt. Indes soll man hier keinen Anlass zu Gewissensskrupeln erregen, als wenn das Unterlassen einer derartigen Redeweise Sünde wäre. Denn hin und wieder begegnet uns in der Schrift, dass die heiligen Männer Gottes bedingungslos über zukünftige Dinge geredet haben, während doch in ihrem Bewusstsein die Gewissheit ganz feststand, dass sie nichts vermöchten ohne Gottes Erlaubnis. Was also diese Redegewohnheit anbetrifft: Wenn es der Herr will oder gibt, so mögen alle Frommen dieselbe ernstlich pflegen. Aber das ist hier des Jakobus Absicht, den Stumpfsinn derer zu treffen, die ohne Rücksicht auf die göttliche Vorsehung über den Verlauf eines ganzen Jahres verfügen, während sie nicht einmal den Augenblick in der Hand haben, die einen fernen Gewinn sich versprechen, während sie nicht im Geringsten fest in Besitz haben, was vor ihren Füßen liegt.

    Denn was ist euer Leben? – Dieses törichte, zügellose Pläne-machen hätte Jakobus mit vielen anderen Gründen in Zucht nehmen können. Täglich sehen wir ja, wie der Herr die Anschläge jener Vermessenen vereitelt, die mit vollem Munde allerlei ankündigen, was sie tun wollen. Für Jakobus aber war dieses ein Grund genug: Wer hat dir für morgen das Leben versprochen? Wirst du etwa als ein Toter ausführen, was du so sicher beschließt? Der Gedanke an die Kürze unseres Lebens dämpft leicht die dreiste Verwegenheit und hindert uns, in allzu weite Ferne mit unseren Plänen zu schweifen. Ja, aus keinem anderen Grund erlauben sich die gottvergessenen Menschen so viel, als weil sie vergessen, dass sie nur Menschen sind. Das Bild des Dampfes ist sehr bezeichnend für die mehr als vergänglichen Pläne, die nur am Schatten eines Lebens ihr Fundament haben.

    So der Herr will und wir leben, wollen wir dies oder das tun. – Doppelt ist die darin angegebene Bedingung: Einmal, wenn wir so lange am Leben bleiben; und zweitens, wenn es der Herr zugibt – es kann ja vielerlei geschehen, was unsere Beschlüsse umstößt. Dunkel sind uns die Ereignisse der Zukunft. Mit dem Willen des Herrn ist hier nicht das Gesetz gemeint, sondern der Ratschluss, mit dem Er alles lenkt.

    Nun aber rühmet ihr euch in eurem Hochmut. Aller solcher Ruhm ist böse. Denn wer da weiß Gutes zu tun und tut’s nicht, dem ist’s Sünde. – Aus diesen Worten geht hervor, dass Jakobus mit seinem Tadel noch etwas anderes im Auge hat als leichtsinnige Reden. Ihr rühmt euch eurer in Prahlerei, sagt Jakobus; nämlich Gottes Herrschaft schaffen sie ab, mit sich selbst aber sind sie sehr zufrieden. Nicht etwa, dass sie in ihrem aufgeblasenen Selbstvertrauen offen sich den Vorzug gäben vor Gott, sondern, berauscht von der Eitelkeit ihres Sinnes, nehmen sie auf nichts weniger Rücksicht als auf Gott. Solche Mahnungen wie diese pflegen die gottlosen Menschen mit Verachtung aufzunehmen; ja man hört schon die bekannte Antwort: Was man da sage, sei ihnen nur zu bekannt, als dass es der Erinnerung bedürfe. Aber Jakobus begegnet im Voraus diesem Verhalten, dreht den Spieß um und hält ihnen die Erkenntnis, deren sie sich rühmen, als einen ihre Schuld erschwerenden Grund vor: Nicht aus Unkenntnis sündigen sie, sondern mit Verachtung dessen, was sie wissen.

     

    Wir benutzen Cookies

    Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.