Jakobus Kapitel 2 Teil II

Jakobus 2.5-7

Höret zu, meine lieben Brüder! Hat nicht Gott erwählet die Armen auf dieser Welt, die am Glauben reich sind und Erben des Reichs, welches er verheißen hat denen, die ihn liebhaben? Ihr habt den Armen Unehre getan. Sind nicht die Reichen die, die Gewalt an euch üben und ziehen euch vor Gericht? Verlästern sie nicht den guten Namen, davon ihr genannt seid?  

Höret zu, meine lieben Brüder! – Mit einem doppelten Grunde wird nun der Beweis geführt, dass sie verkehrt handeln, wenn sie zugunsten der Reichen die Armen verachten. Einmal ist es unwürdig, diejenigen herunterzusetzen, die Gott erhebt, die Er mit Ehre antut, unserseits schmählich zu behandeln: Gott ehrt die Armen, also verkehrt Gottes Ordnung, wer immer sie zurücksetzt. Der andere Grund entstammt der allgemeinen Erfahrung. Da die Reichen meistens den Armen und Unschuldigen Beschwerde machen, so ist es doch sehr töricht, ihre Ungerechtigkeiten mit solcher Belohnung zu erwidern, dass wir sie uns besser empfohlen sein lassen als die Armen, die uns mehr helfen als verletzen. Bis zu welchem Grade dies beides gilt, werden wir noch bestimmter sehen.

Hat nicht Gott erwählet die Armen? – Zwar nicht sie allein, aber bei ihnen hat Er den Anfang machen wollen, um den Stolz der Reichen im Zaum zu halten. Das ist es, was Paulus sagt (1. Korinther 1.26): Nicht viele Edle, nicht viel Gewaltige dieser Welt, sondern was schwach ist, hat Gott erwählt, dass er zuschanden mache, was stark ist. Kurz, wenn Gott Seine Gnade gemeinsam auf Reiche und Arme ausgegossen hat, so hat Er doch diese jenen vorziehen wollen, damit die Großen lernen möchten, nicht sich selbst zu gefallen, die Unedlen aber und Namenlosen alles der Barmherzigkeit Gottes zuschreiben möchten und endlich beide zur Bescheidenheit und Demut erzogen würden. Von Leuten, die am Glauben reich sind, wird nicht geredet, weil sie an besonders großem Glauben Überfluss hätten, sondern weil Gott sie mit mannigfachen Gaben ausgestattet hat, die wir im Glauben gewinnen. Denn das ist doch gewiss, dass an den freigebig und allgemein angebotenen Gaben des Herrn ein jeder nach dem Maße seines Glaubens Anteil erhält. Sind wir leer und unvermögend, so beweist das eben unsern Mangel an Glauben. Wenn wir nur den Schoß des Glaubens ausbreiten, ist Gott immer bereitwillig, hineinzuschütten. Verheißen ist das Reich denen, die Gott lieben, nicht in dem Sinne, dass die Verheißung abhängig wäre von der Liebe. Es wird durch diesen Ausdruck nur an die Bedingung und den Zweck der Berufung zur Hoffnung des ewigen Lebens erinnert, dass nämlich die Berufenen Gott lieben sollen. Der Zweck, nicht der Ausgangspunkt wird hier angegeben.

Sind nicht die Reichen die, die Gewalt an euch üben und ziehen euch vor Gericht? Verlästern sie nicht den guten Namen, davon ihr genannt seid? – Jakobus erweckt den Anschein, als stachele er zur Rache auf, wenn er die ungerechte Obmacht der Reichen anführt, damit die von ihnen ungerecht Behandelten Gleiches mit Gleichem vergelten – und doch empfangen wir überall die Mahnung, den Feinden, die uns peinigen, wohlzutun. Indessen ist des Jakobus Rat ganz anderer Art. Denn er will nur zeigen, dass die vernünftigen Urteils entbehren, die ihre Henker schmeichlerisch ehren, während sie gegen Menschen, die ihnen befreundet sind oder wenigstens ihnen niemals etwas zuleide getan haben, beleidigend vorgehen. So tritt das eitle Wesen besser ins Licht, mit dem sie, ohne durch irgendwelche Wohltaten veranlasst zu sein, nur weil sie eben reich sind, die Reichen bewundern, ja sogar denen sklavisch schmeicheln, deren Ungerechtigkeit und Grausamkeit sie zu ihrem Schaden am eigenen Leibe spüren. Es gibt ja zwar unter den Reichen manche gerechte und vor jeder Ungerechtigkeit zurückscheuende Leute, aber solche findet man doch selten. Jakobus aber zieht an, was in der Regel geschieht und sozusagen tagtägliche Erfahrung ist. Im Schadentun pflegen ja die Menschen ihre Kräfte zu erproben; daher kommt es denn, dass einer desto schlechter und ungerechter gegen den Nächsten ist, je mehr er vermag. Daher müssen die Reichen sich umso sorglicher vor jeder Ansteckung mit dieser Seuche hüten, die allenthalben in ihrem Stande herrscht.

Unter dem guten Namen ist ohne Zweifel der Name Gottes und Christi zu verstehen. Dass derselbe über den Gläubigen genannt wurde, erinnert hier nicht, wie es nach dem sonstigen Sprachgebrauch der Schrift wohl möglich wäre, an die Anrufung desselben im Gebet, sondern ist im Sinne des Bekenntnisses gemeint, wie der Name des Vaters über seinen Kindern genannt wurde (1. Mose 48.16) und des Mannes Name über der Frau (Jesaja 4.4). Es bedeutet also so viel, als ob Jakobus gesagt hätte: Der gute Name, mit dem ihr euch rühmt, oder den ihr euch ehrenhalber angerechnet haben wollt. Wenn nun jene Gottes Ehre trotzig mit Füßen treten, wie unwürdig sind sie denn doch, dass Christen ihnen Ehre erweisen!

 

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