Jakobus 3.5b-6
Siehe, ein klein Feuer, welch einen Wald zündet’s an! Und die Zunge ist auch ein Feuer, eine Welt voll Ungerechtigkeit. Also ist die Zunge unter unseren Gliedern, und befleckt den ganzen Leib, und zündet an allen unseren Wandel, wenn sie von der Hölle entzündet ist.
Nun entwickelt der Verfasser die Übel, die aus der unbezähmten Zunge entspringen. Wir sollen aber wissen, dass sie nach beiden Seiten hin viel auszurichten vermag. Ist sie bescheiden und ruhig, so ist das ganze Leben in Zucht gehalten. Ist sie frech und gottlos, so ist alles gleichsam von einem einzigen Brande ergriffen. „Ein klein Feuer“, sagt er, um zu zeigen, dass die Kleinheit der Zunge einer weit und breit sich ausdehnenden Schadenwirkung keineswegs im Wege steht. Eine „Welt voll Ungerechtigkeit“ fügt er hinzu; es ist dasselbe, als wenn er sagte: Ein Meer, ein Abgrund voll Ungerechtigkeit. Und geschickter Weise stellt er die Kleinheit der Zunge in Gegensatz zu der ungeheuren Größe der Welt: Ein dünnes Stückchen Fleisch enthält in sich eine ganze Welt voll Ungerechtigkeit.
Also ist die Zunge unter unseren Gliedern, und befleckt den ganzen Leib, und zündet an allen unseren Wandel, wenn sie von der Hölle entzündet ist. – Was mit dem Ausdruck „Welt“ beabsichtigt war, wird nun auseinandergelegt: In alle Gebiete des Lebens verbreitet sich das ansteckende Gift der Zunge. Man kann es auch so auffassen, dass das Gleichnis vom Feuer erläutert wird: Den ganzen Menschen ergreift die Befleckung. Aber die Rede kommt doch noch wieder aufs Feuer zurück mit dem Ausdruck: Unser ganzer Wandel werden von der Zunge in Brand gesetzt. Der Sinn ist dieser: Während andere Schäden vom Alter oder vom Lauf der Zeit gebessert werden oder doch nicht den ganzen Menschen in Beschlag nehmen, verbreitet sich dieses Unheil der Zunge wie ein fressender Schaden durch alle Gebiete des Lebens. Wenn Jakobus das Feuer von der Hölle ausgehen lässt, so ist es ebenso, wie wenn er die Zuchtlosigkeit der Zunge selbst eine Flamme höllischen Feuers nennte. Wie die weltlichen Dichter die Bösen von den Fackeln der Furien versengt darstellen, so entzündet in der Tat der Satan mit dem Anhauch seiner Versuchungen den Brand alles Bösen in der Welt. Jakobus will sagen, das vom Teufel ausgesandte Feuer werde von der Zunge aufs willigste ergriffen, so dass es nun lodernd weiter brennt. Kurz, sie sei das geeignete Element zur Aufnahme, zum Hegen, zum Wahren des höllischen Feuers.